Dieses Dokument enthaelt vorbereitete Fragen fuer das Gespraech mit der Therapeutin. Sie sind keine Fallen, keine Argumente und kein Pamphlet. Sie kommen aus echtem Interesse -- an ihr, an dem was hinter ihrem Unbehagen steckt, und an einer Loesung die fuer uns beide stimmt.
Das Prinzip dahinter: Neugierde vor Konfrontation. Jede Frage setzt voraus, dass sie eine gute Person mit echten Bedenken ist. Das Ziel ist gemeinsames Verstehen -- nicht Gewinnen.
Dieser Abschnitt kommt zuerst. Bevor irgendwelche Fragen gestellt werden, wird die geteilte Erfahrung geteilt. Das macht einen Unterschied: Es zeigt, dass das kein Angriff ist, sondern eine Einladung von jemandem, der dieselbe Situation kennt.
"Ich moechte zuerst etwas teilen, bevor ich frage.
Als du angefangen hast, unsere Sessions aufzunehmen, war ich auch uncomfortable. Ich wusste nicht genau warum. Es hat mich gestoert -- und ich konnte es nicht mal gut erklaeren, warum es mich stoert. Erst spaeter habe ich verstanden: Es ging bei mir um das Gefuehl, gesehen zu werden. Um Verbindung. Um die Frage, ob ich dir einfach vertrauen kann, auch wenn ich nicht weiss, was du mit den Aufnahmen machst.
Ich erwaehne das nicht, um dich schuldig zu fuehlen. Ich erwaehne es, weil ich glaube, dass wir in aehnlichen Situationen sind. Und vielleicht hilft es, wenn wir von dort aus anfangen."
Diese Fragen gehen von sanft nach tiefer. Man kann spontan waehlen, welche Tiefe gerade passt. Man muss nicht alle stellen -- aber man sollte wissen, wohin das Gespraech gehen kann.
(Einstieg, sehr sanft, kein Druck -- einfach offen lassen)
(Tiefer, wenn die erste Ebene geoeffnet hat -- immer noch sanft, aber konkreter)
(Direkte Spiegelung ihrer therapeutischen Arbeit -- nur wenn das Gespraech offen genug ist)
Fuer Momente in denen sie sich verschliesst, Zeit braucht, oder das Thema zu viel wird. Diese Fragen halten den Raum offen, ohne zu draengen.
Wenn die Emotionen exploriert sind und sie offen wirkt -- dann zu konkreten Angeboten wechseln. Nicht vorher. Den Schritt nicht erzwingen.
Fuer den Fall eines finalen Neins. Diese Frage dreht die Perspektive um -- nicht was das Gespraech genommen hat, sondern was es gegeben hat.
(Das dreht die Perspektive um: Was hat das Gespraech ihr gegeben, nicht genommen.)
Im Gespraech spontan den richtigen Einstieg finden -- nach Situation und Stimmung:
| Sanft / Einstieg | Mittlere Tiefe | Direkte Spiegelung |
|---|---|---|
| "Was ist das erste Gefuehl das hochkommt?" | "Was fehlt noch, damit es sich sicher anfuehlt?" | "Darf ich dir die Frage stellen, die du mir damals gestellt hast?" |
| "Gibt es ein konkretes Szenario?" | "Ist das Unbehagen deins -- oder kommt es auch von aussen?" | "Was wuerdest du einem Patienten in dieser Situation fragen?" |
| "Klingt das fuer dich aehnlich -- oder siehst du das anders?" | "Wenn du volle Kontrolle haettest -- wuerde das etwas veraendern?" | "Ich frage so direkt, weil du damals auch geglaubt hast, es lohnt sich." |
| "Was hast du dir damals erhofft, als du angefangen hast aufzunehmen?" | "Was genau ist zwischen dem Ja und dem Nein passiert?" | "Stell dir vor, ein Patient erzaehlt dir diese Geschichte. Was wuerdest du sehen?" |
Vor dem Gespraech kurz verinnerlichen:
Jede Frage kommt von echtem Interesse -- nicht von taktischem Kalkuel. Wenn sich eine Frage wie ein Trick anfuehlt, nicht stellen.
Die geteilte Erfahrung ist eine Bruecke, keine Waffe -- "Ich war auch uncomfortable" schliesst Differenzen, es zeigt keine Schwaeche.
Pause lassen -- Wenn sie nachdenkt, nicht sofort die naechste Frage stellen. Stille ist gut.
Reaktionen auf ihr Unbehagen -- Wenn sie sagt "Ich weiss es nicht": "Das kenne ich. Ich konnte es damals auch nicht benennen -- erst spaeter habe ich verstanden, dass es bei mir um Verbindung und Sicherheit ging."
Wenn sie abblockt -- Nicht weiterbohrren. Abschnitt 3 nutzen. Raum lassen.
Das eigene Unbehagen zeigen darf man -- Es ist okay zu sagen: "Mir ist das sehr wichtig. Ich merke, dass es mich auch Ueberwindung kostet, das so direkt anzusprechen."
Dieses Dokument ist zur Vorbereitung. Fragen verinnerlichen, nicht ablesen. Im Gespraech frei sprechen -- das hier ist das Geruest, nicht das Skript.